Jede Zigarre für sich ist ein von Hand gemachtes Unikat! Rund 170 Produktionsschritte sind erforderlich, um aus exzellentem Tabak eine edle und hochqualitative Zigarre zu kreieren. Angefangen beim Kauf, über das Rauchen, bis hin zur Aufbewahrung – nur eine einwandfreie Handhabung führt zum vollkommenen Genuss. Gerade bei einer richtigen Lagerung können einige Zigarren wesentlich von einem Aging (Reifung) profitieren.

Rund um die Zigarre

Der Zigarrenkauf

Den Zustand der Zigarre überprüfen

Handgemachte Zigarren sollten vor dem Kauf immer genau überprüft werden. Öffnen Sie die Kiste. Die Zigarren sollten zunächst einen guten Gesamteindruck hinterlassen. Weitere Kriterien:

  • Alle Bauchbinden sollten dieselbe Position aufweisen.
  • Alle Deckblätter sollten spiralförmig in dieselbe Richtung gerollt sein.
  • Alle Zigarren sollten die gleiche Grundfarbe aufweisen – hellere Töne rechts, dunklere links.
  • Riechen Sie an zwei, drei Exemplaren – insbesondere an der Lücke einer herausgenommenen Zigarre. Das ist der idealste Vorgang zur Aromabewertung.
  • Drücken Sie zwei, drei Zigarren sanft zwischen Finger und Daumen. Gut gelagert geben sie leicht nach und kehren in ihre ursprüngliche Form zurück.

Die Kiste prüfen

Prüfen Sie, ob das grün-weisse Havanna-Siegel vorhanden ist – es ist seit 1912 unverändert.

Havanna Siegel

Schauen Sie auf den Boden der Kiste: „Hecho en Cuba", „Totalmente a mano", Habanos-Stempel und/oder das rotgelbe Habanos-Logo sollten dort zu finden sein.

Habanos Bodenlogo
Die Lagerung

Sie haben sich für bestimmte Zigarren entschieden und wissen, welches Sortiment Sie zu Hause aufbewahren möchten. Nun ist es absolut wichtig, die idealste Lagermethode zu bestimmen. Da Zigarren Naturprodukte sind, setzt sich der Reifungs- und Fermentationsprozess bei guter Lagerung in den Zedernholzkisten fort.

Grundsätzliches

Bewahren Sie Zigarren im kühlsten Teil des Hauses in einem luftdichten Behälter oder Schrank auf. Luftfeuchtigkeit 68–73%, Temperatur 18–21 °C.

Humidore

Die beste Lösung ist die Anschaffung eines Humidors. Füllen Sie ihn nur mit destilliertem Wasser und stellen Sie ihn nicht neben Heizkörpern auf. Aktive Befeuchtungsgeräte sind passiven oft überlegen.

Ungeziefer

Zigarren können von Tabakkäfern befallen werden. Aussortieren, gefährdete Nachbarn abklopfen (Kotspuren auf weissem Papier!), unversehrte Zigarren 1–2 Monate ins Gefrierfach, danach 3 Tage im Kühlschrank auftauen, Humidor gründlich reinigen.

Tabakkäfer

Wiederbelebung ausgetrockneter Zigarren

Öffnen Sie die Zigarrenkiste, legen Sie sie in einen grossen Polyäthylen-Beutel mit Glas destilliertem Wasser oder feuchtem Schwamm. Schichten Sie die Zigarren alle paar Tage um. Nach ~3 Wochen sollten sie wieder akzeptable Qualität erlangen.

Die Reifung (Aging)
Cigar shop Cigar smoker

Sorgfältig aufbewahrte Zigarren entwickeln sich bei fachgerechter Lagerung weiter. Das Aging wird in vier Phasen eingeteilt:

Sick Period

Zeitraum, in dem bei frisch gerollten Zigarren Ammoniak wahrgenommen werden kann. Über 90% des Ammoniaks bauen sich in wenigen Monaten ab, 95–99% nach einem Jahr. Zigarren sollten während dieser Phase nicht geraucht werden.

2. Erste Reifung

Resultat der laufenden Fermentation nach dem Rollen. Dauer: milde Zigarren 2–3 Jahre (Normalkiste) / 4–5 Jahre (Cabinet); mittlere 5 / 6–8 Jahre; kräftige 7–8 / 10–15 Jahre.

3. Zweite Reifung

Tanninabbau und Reaktion mit den Fermentations-Aromen. Dauer 15–25 Jahre. Die Zigarre wird weich, mild, komplex, klassisch, elegant.

4. Dritte Reifung

Konzentration von Finesse – ab 20+ Jahren. Nur handgemachte Zigarren mit komplexen Inhaltsstoffen und erstklassigen Lagerbedingungen erreichen diese Stufe.

Fazit: Die beste Zigarre der Welt ist die, die Ihnen schmeckt.

Der Genuss

Anschneiden

Professioneller Zigarrenschneider oder Rundcutter. Kein Messer, kein Abbeissen – das Deckblatt würde leiden.

Anzünden

Wenn möglich Jet-Feuerzeug mit blauer Flamme. Keine Streichhölzer, Kerzen, Benzinfeuerzeuge (Schwefel, Wachs, Benzin). 45° Winkel, langsam, gleichmässig rösten.

Rauchen

Nicht in Spirituosen dippen. Asche nicht abstreifen – sie soll einen Zylinder bilden und selbst abfallen (~2 cm). Zeit lassen, Aromen zirkulieren lassen, kleine Pausen.

Erneut Anzünden

Asche sachte abstreifen, sanft durchblasen, dann wie beim ersten Mal anzünden.

Verlöschen

Bei ~2,5 cm vor der Bauchbinde in den Aschenbecher legen – sie geht von selbst aus. Nicht ausdrücken.

Die Deckblätter

Die Art des Deckblatts hat einen grossen Einfluss (bis zu 50%) auf den Geschmack der Zigarre.

Candela

Grünlich, sehr frische, milchige Aromen (Gras, Zeder, Pfeffer, süsslicher Unterton).

Connecticut

Shadow-grown, mild. Noten von Gras, Sahne, Butter, Pfeffer, Kaffee, Zeder.

Natural / English Market Selection

Etwas dunkler, süsser, mehr Gewürznoten, Zedernholz, Kaffee, Brot, Erde.

Corojo

Würzig, robust, schwarzer Pfeffer, Erde, Leder, Kakao, Zeder.

Criollo

Milder als Corojo, weisser Pfeffer, Kakao, Zeder, Brot, Nüsse.

Sumatra

Süsslich, lieblich, Zimt, Erde, florale Noten.

Habano

Würzigste Variante, Brot, intensive Gewürze, Leder, Kakao, Espresso, Zeder. Hoher Nikotingehalt – nichts für Einsteiger.

Maduro

Dunkel, lang gereift, natürliche Süsse: Schokolade, Kaffee, brauner Zucker, Karamell, Melasse, Pfeffer, Trockenfrüchte.

Oscuro

Double-Maduro / Maduro-Maduro – die dunkelsten Blätter. Wie Maduro, aber kräftiger und süsser.

Kamerun

Vollmundig, Butter, schwarzer Pfeffer, Leder, Toast.

Rosado

Selten, rötlich, fast ausschliesslich in Kuba. Würzig mit Zedernholz, Kaffee, Erde, Pfeffer.


Zigarren-Mythen

Eine erlesene Zigarre ist nicht nur eine Wolke aromatischen Rauches. Sagen, Legenden und Geschichten ranken sich seit Jahrhunderten um das grüne Gold.

Mythos 1 — „Eine Zigarre sollte vor dem Rauchen aufgewärmt werden"

Falsch. Früher wurde mit Harz geklebt – deshalb brannte man die Oberfläche ab. Heute kommt geruchs- und geschmacklose Stärke-Wasser-Mischung zum Einsatz. Aufwärmen zerstört nur die Deckblatt-Aromen.

Mythos 2 — „Das Mundende in Cognac tauchen macht die Zigarre aromatischer"

Sir Winston Churchill tauchte die Zigarre nicht aus Genussgründen in Cognac. Er rauchte bis zu 20 Stück täglich und wickelte das Mundende in braunes Papier, um seine Lippen zu schonen. Das Papier tauchte er in Cognac – daher der Mythos.

Mythos 3 — „Die besten Zigarren werden auf Oberschenkeln schöner Frauen gerollt"

Schöner Gedanke, reine Fiktion. Zigarrenrollen war traditionell Männerarbeit – Oberschenkel sind als Arbeitsfläche ungeeignet. Der Mythos geht vermutlich auf Prosper Mérimée zurück.

Mythos 4 — „Je dunkler das Deckblatt, desto stärker die Zigarre"

Stimmt nicht. Die Stärke hängt von der Tabakmischung ab, nicht von der Deckblattfarbe. Das Deckblatt beeinflusst jedoch den Geschmack stark (5–50%).

Mythos 5 — „Die Dicke und Länge beeinflussen die Stärke"

Das Gegenteil ist der Fall: Dickere Zigarren rauchen kühler und wirken milder. Die Länge bestimmt nur die Dauer des Genusses.